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Historische Entwicklungslinien, Aufbrüche und Umbrüche - Rückblick auf den Fachtag Geschichte der EHD

Tag zur Geschichte der EHD im Rahmen des 50+ Jubiläums

23.09.2022  |  9:00 - 16:30 Uhr  |  Ev. Hochschule Darmstadt, Zweifalltorweg 12

Vor über 50 Jahren wurde die Evangelische Hochschule Darmstadt gegründet. Im Rahmen des Jubiläumsjahres 50+ sind am 23. September über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen auf die Spurensuche gegangen. Gemeinsam wurde die Zeitspanne der Gründerjahre der EHD bis hin zur jüngsten Vergangenheit rekonstruiert und auch Ausblicke in die Zukunft gewagt. 


In einem Impulsvortrag skizzierte Prof. Dr. Carola Kuhlmann (EH Bochum) die Entstehung und Entwicklung evangelischer Hochschulen in Deutschland. Der bundesweiten Bildungspolitik folgend wandelten auch die Landeskirchen ihre Höheren Fachschulen 1971 in den neuen Hochschultypus der Fachhochschule um. Kuhlmann ordnete dies in einen „Paradigmenwechsel der Diakonie hin zur evangelischen Sozialethik“, einer „Sozialdiakonie“ ein, die den Menschen in seinen sozialen und institutionellen Bezügen fokussiert. Der Ausbau des Sozialstaats in den 60er/70er Jahren machte eine akademische Professionalisierung diakonischer Arbeit erforderlich. Die Hälfte aller Studienplätze im Sozialwesen seien damals von konfessionellen Fachhochschulen vorgehalten worden.


EHD-Präsident Prof. Dr. Willehad Lanwer unterstrich, „dass die Fachhochschulen bzw. HAWs aufgrund ihrer Praxisnähe und Orientierung an klaren Berufsfeldern auch einen wichtigen Beitrag zur sozialen Durchlässigkeit leisten. Im Gegensatz zu den Universitäten stammt hier deutlich mehr als die Hälfte der Studierenden aus nichtakademischen Elternhäusern.“


Gründungsrektorin Waldtraut Krützfeldt-Eckhard wuchs beispielsweise in einem Forsthaus im hessischen Ried auf. Prof. Dr. Elke Schimpf und Prof. Dr. Birgit Bender-Junker, die ihre Forschungen zur wissenschaftlichen und institutionellen Karriere der Gründungsrektorin Waldtraut Krützfeld-Eckhard vorstellten, gingen zunächst auf die Bildungsbiographie der Gründungsrektorin Waldtraut Krützfeld-Eckhard ein. Sie hatte 1933 das Abitur erworben und danach eine Ausbildung zur Säuglingspflegerin und Volkspflegerin absolviert bevor sie Ende der 1930er Jahre eine akademische Karriere als nationalsozialistische Weltanschauungswissenschaftlerin an der Universität Heidelberg einschlug. 1945 wurde sie entlassen und es wurde ihr ihre Habilitation aberkannt. In den 1950er Jahren begann sie als Dozentin und Direktorin der Vorgängereinrichtung der EFH zu arbeiten; wissenschaftliche Veröffentlichungen legte sie nach 1945 nicht mehr vor. Ihre Aktivitäten im Nationalsozialismus wurden von ihr tabuisiert und verdeckt.


Dass in der Gründungsphase der Hochschule durchaus um demokratische Strukturen akademischer Selbstverwaltung gerungen wurde, wurde aus Beiträgen teilnehmender Zeitzeug:innen und Ehemaligen deutlich. Studentenproteste gab es wie in der gesamten Bundesrepublik auch an der EHD zu Beginn der 70er Jahre.


Neben spannenden Vorträgen und Diskussionsrunden, gab es viel Raum für eigene Erinnerungen und Austausch. Im Rahmen moderierter Thementische und einem interaktiven Zeitstrahl, wurde schließlich das kollektive Wissen rund um die EHD wieder zusammengeführt. 

 

Vielen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die vielen Erinnerungen, die Sie an diesem Tag in "Ihre" EHD zurückgebracht haben!

 

Ihr/ Euer Vorbereitungsteam

Prof. Dr. Birgit Bender-Junker, Prof. Dr. Susanne Gerner, Claudia Herkert, Jürgen Maier, Prof. Dr. Ulrike Manz, Tobias Meyer, Prof. Dr. Elke Schimpf und Prof. Dr. Michael Vilain


Filmischer Rückblick


Fotos vom Tag der Geschichte der EHD